Warum Bildbearbeitung für mich so wichtig ist

Über die furchtbare und die tolle Seite der Bildbearbeitung

Photoshoppen (ein sich vom Programm ‚Photoshop‘ ableitender, inzwischen allgemein benutzter Begriff für Bildbearbeitung) ist in. Ich glaube, fast jeder kennt die geschönten, gefilterten und verzogenen Bilder, die vor allem gerne bei Instagram geteilt werden. Da werden Falten glatt gebügelt, Taillen verschmälert, Beine verlängert, Dinge aus Bildern entfernt oder hinzugefügt und noch viel mehr. Ich finde das ganz furchtbar. Zumal das inzwischen so perfekt geht, dass man wirklich keinem Bild mehr trauen kann, egal was darauf zu sehen ist.

Welches der folgenden Bilder ist echt und welches ein Fake? Die Auflösung kommt ganz am Ende.

Das ist die sehr unschöne Seite an Bildbearbeitung, die Seite, die Realität verändert, maskiert und dadurch das Denken manipuliert.

Bildbearbeitung hat aber auch eine ganz wunderbare Seite und ich möchte Euch hier gerne erzählen, warum ich Bildbearbeitung so liebe und ich oft an einem einzigen Bild eine halbe Stunde oder mehr rumbastele, bis ich zufrieden bin. Unbearbeitet geht eigentlich keines meiner Fotos online.

Ich fotografiere unglaublich gerne und von unseren Spaziergängen komme ich oft mit 300 und mehr Fotos nach Hause, wo die Fotos dann alle gesichtet werden und ich eine Auswahl treffe; meistens bleibt höchstens ein Zehntel an Bildern übrig, oft noch weniger. Die Fotos, die übrig bleiben, sind nicht perfekt; ich bin kein Profi und manchmal geht es auch perfekt nicht – aber das ändere ich dann eben hinterher.

Ich fotografiere mit einer Spiegelreflexkamera und mache die Bilder im RAW-Format; so haben die Bilder die meisten Bildinformationen und können am besten bearbeitet werden. Aber auch jpg-Bilder kann man bearbeiten, allerdings nicht ganz so gut. Ich arbeite mit Photoshop CC und Lightroom CC, beides sehr umfangreiche und tolle Programme von Adobe, die ich nicht missen möchte. Mein Mann hat sie mir im Abo geschenkt, das kostest jeden Monat 11,89 Euro; wir finden beide, dass sie sie das absolut wert sind.

Das beste Beispiel für die positive Seite der Bildbearbeitung habe ich heute mit nach Hause gebracht; ein Foto von einem meiner Lieblingsschafe namens Griselda:

Es ist so gut wie alles schief gegangen. Das Bild ist schief, die Belichtung ist grauenhaft, man sieht überhaupt keine Details und Griseldas genialen Blick kann man noch nicht mal erahnen. Zwanzig Minuten später sieht das Bild so aus:

Ich habe die Belichtung korrigiert, die Tiefen hochgezogen (das heißt, ich habe die dunklen Bereiche heller gemacht), ich habe das Bild gerade gestellt, dann das Schwarz in Griseldas Gesicht noch ein bisschen aufgehellt und einen schöneren Ausschnitt gewählt. Ein kleines bisschen habe ich auch noch nachgeschärft. So gefällt mir das Bild sehr gut und so ist es dann auch online gegangen.

Das Problem mit Griseldas Bild war ein selbstgemachtes; ich habe bei Fotografieren nicht aufgepasst und falsche Einstellungen an meiner Kamera gewählt. Manchmal gibt es aber auch Probleme, die man gar nicht vermeiden kann, beim nächsten Bild zum Beispiel. Zu sehen ist ein Teil des Emssperrwerks bei Gandersum:

Das Bild ist grundsätzlich gar nicht so verkehrt, aber bei Bildern mit geraden Linien ist es sehr unschön, wenn diese schief sind. Die untere Kante des Zauns kippt nach rechts unten (Kamera schief gehalten), das ganze Bauwerk kippt nach hinten und die Windräder auf der anderen Emsseite stehen schief. Bei diesem Bild musste ich nur die Linien begradigen, damit es schön aussieht; dafür habe ich ungefähr eine Viertelstunde gebraucht:

Als letztes Beispiel habe ich eins ausgesucht, bei dem man sieht, wie wichtig der Bildausschnitt ist; oft stellt man das erst Zuhause am Computer fest. Das Originalbild sieht so aus:

Es ist eigentlich ganz ok, aber es kommt nichts von der gemütlichen Atmosphäre rüber, die unser Dorf hat, und es gefiel mir so deshalb überhaupt nicht. Also habe ich angefangen, den Bildausschnitt zu verändern; natürlich habe ich das Bild auch noch gerade gemacht (was schwierig ist, weil bei uns im Dorf fast kein Haus gerade ist) und ein winziges Bisschen an der Belichtung gedreht, was man aber kaum sieht:

Ich habe den Ausschnitt so gewählt, dass nicht so viel Himmel über dem Bild ist. Das gibt den Häusern einen Rahmen und damit Geborgenheit und Gemütlichkeit; so empfinde ich es zumindest.

Das waren jetzt drei Beispiele anhand derer ich Euch zeigen wollte, warum mir Bildbearbeitung so viel Spaß macht; sie macht aus guten Bildern oder Bildern mit leichten Fehlern sehr gute Bilder, sie rettet oft völlig verkorkste Bilder und sie hilft dabei, das zu zeigen, was man mit einem Bild eigentlich zeigen möchte, zum Beispiel die gemütliche Atmosphäre in unserem Dorf.

Und nun kommt die Auflösung der Frage oben: Das echte Bild ist das untere, der Fake ist das obere. Dieter hat sich mit Photoshop älter gemacht. Er meinte, jünger machten ja alle.